das Forum

Hintergrund, Geschichte, Weltbild

Das ZEGG-Forum ist ein gemeinschaftliches Kommunikationsinstrument. Zur Erforschung persönli­cher und überpersönlicher Fragestellungen, zum Aufbau von Vertrauen und Kooperation.

In seiner Grundform versammelt sich eine Gruppe im Kreis; die Mitte dieses Kreises bildet die Bühne – das eigentliche Forum. Einzelne Personen (Protagonisten) können diese Mitte betreten, um ein Thema darzustellen und zu beleuchten. Eine Moderation, die sogenannte Forumsleitung, begleitet den Prozess durch vertiefende Fragen und Gestaltungsvorschläge. Nach dem Auftritt gibt der Kreis Feedback für den Menschen, der in der Mitte war – Wahrnehmungen und assoziative Ergänzungen aus verschiedenen Blick­winkeln, weitere Fragen.

Es geht im Forum um das Erforschen gemeinsamer menschlicher Fragestellungen. Die Forumsmitte wird deshalb auch als menschheitliche Bühne bezeichnet: Was ein Protagonist einbringt, trägt stets ei­nen kollektiven Aspekt in sich und bereichert die gesamte Gruppe. Das Forum fördert essentielle Kom­munikation, die im Alltag meist unsichtbar bleibt – echte Handlungsmotive, tieferliegende Gefühle, Körperempfindungen und Intuition. Trotz der möglichen transformatorischen Wirkung ist das Forum keine Therapie, den es geht nicht um die Heilung des Einzelnen, darum, dass wir als Menschen unter Menschen Vertrauen aufbauen und in eine teiferen Kooperation kommen, mit uns selbst, miteinander und mit dem was uns umgibt.

Merkmale des Forum

Persönliche, kollektive (Selbst)Erkenntnis

Anders als Therapieformate oder viele andere Kommunikationsmethoden verbindet das Fo­rum individuelle Entfaltung mit gemeinschaftlichem Erleben. Indem persönliche Themen auf einer gemeinsamen Bühne sichtbar werden, entsteht ein gegenseitiger Spiegel: Jede Selbstentdeckung bereichert auch die Beobach­ten­den, weil menschliche Themen stets kollektive Wurzeln haben.

Ganzheitlichkeit des Ausdrucks

Das Forum beschränkt sich nicht auf verbale Kommunikation. Körper, Stimme, Bewegung, Stille, Rollenspiel und künstlerisch-theatralische Elemente sind ausdrücklich eingeladen. Diese Viel­schichtigkeit erlaubt es, Konventionen zu verlassen und Aspekte des Lebens zu erkunden, die im normalen Gespräch verborgen bleiben. Dieser kreative, spielerisch-ernste Charakter unterscheidet das Forum von vorweigend analytischen oder sprachzentrierten Methoden.

Haltung statt Technik

Das Forum versteht sich ausdrücklich nicht als erlernbare Technik oder Methode, sondern als Weg persönlicher und gemeinschaftlicher Entwicklung. Die Forumsleitung braucht umfassende Selbstkenntnis und Gemeinschaftserfahrung. Zentral ist der sogenannte Forumsgeist: Präsenz, Selbstverantwortung, das Trainieren eines inneren Beobachters sowie die Fähigkeit, andere tief wahrzunehmen. Sehen ist Lieben ist dabei ein Leitbild.

Nicht Lösung, sondern Sichtbarkeit

Das Forum zielt nicht auf rasche Problemlösung, sondern auf das Sichtbarmachen und Sortieren von Gefühlen, Mustern und Perspektiven. Die eigentliche Lösung entsteht häufig auf spielerischen Umwegen – durch Energiesteigerung, Lebendigkeit und Perspektivwechsel, nicht durch direkten Zugriff.

Weltbild und philosophischer Hintergrund

Das Forum ist eingebettet in ein umfassendes Weltbild, das sich gegen die Dominanzkultur der Menschheitsgeschichte wendet – jene Haltung, die den Menschen als isoliertes, konkurrierendes Individuum begreift, das sich gegenüber anderen behaupten und Macht erringen muss. Diesem Bild stellt das Forum die Vorstellung entgegen, dass Menschen lebendige, offene Systeme sind, die als Teil eines grösseren Ganzen existieren.

Psychologisch stützt sich das Forum auf die Humanistische und Transpersonale Psychologie sowie spirituelle Traditionen. Grundlegend ist das Vier-Schichten-Persönlichkeitsmodell (ursprünglich von Wilhelm Reich): Über einem inneren Wesenskern – dem authentischen Selbst – liegen Schutz­schichten aus ab­wehren­den Gefühlen, abgewehrten tiefen Gefühlen und einer äussersten Anpas­sungsschicht. Ziel der Forums­arbeit ist, diese Schichten zu belichten und so den Wesenskern zu­gänglich zu machen – die Stelle, an der persönliche Einzigartigkeit auf das Transpersonale, Uni­verselle trifft.

Das übergeordnete gesellschaftliche Ziel lautet: den Wandel von einer Dominanz- und Kon­kurrenz­kultur hin zu einer Kultur der Kokreation und Kooperation zu unterstützen – von innen her­aus, durch Selbst­erkenntnis, und zugleich durch neue Gemeinschafts- und Wirtschaftsstrukturen von aussen.

Geschichte und Entwicklung

Das Forum entstand aus den Erfahrungen des ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesell­schafts­gestaltung) in Bad Belzig bei Berlin sowie der Gemeinschaft Tamera und deren gemeinsamem Vorläufer-Projekt Bauhütte, das 1980 gegründet wurde. Seit diesen Anfängen wurde das Forum kontinuierlich weiterentwickelt und verfeinert.

Im ZEGG flossen seither zahlreiche Einflüsse ein: die Gewaltfreie Kommunikation (Marshall Rosenberg), der Dialog nach David Bohm, das Community Building (Scott Peck), die repräsentative Arbeit der Struktur­aufstellung, spirituelle Weisheitstraditionen, künstlerisch-theatralische Gestaltung sowie Gefühle­arbeit und Rollenspiele u.a. Das Ergebnis ist ein lebendiges, sich stetig wei­terentwickelndes Instrument, das bewusst offen bleibt und keiner starren Regeln bedarf.

Heute wird das Forum als eines unter mehreren gemeinschaftsbildenden Kommunikations­werkzeugen eingesetzt – ergänzend zu Sprechstabrunden, Restaurativen Circles, Transpa­renter Kom­muni­kation und Possibility Management. Als alleiniges Instrument für Gemeinschaftsbildung ist es aufgrund seines rituellen Charakters nicht für geeignet; sein eigentliches transformatorisches Potential entfaltet es im Zusammenhang mit umfassenderer Bewusstseinsschulung und gemeinschaftlichem Leben.

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